Feedback zur BWL-Klausur

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de Ulrich Bodmer -
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Hallo beisammen.

Gleich vorab: Was ich Ihnen jetzt schreibe, hat bei keiner Klausur zu einem Punktabzug geführt.

Dass ich Ihnen trotzdem diese Mail schreibe, das hat damit zu tun, dass sich in Ihren Köpfen kein Fehler festsetzen darf, denn auch Studierende, die eine sehr gute Note erhalten haben, haben teilweise diesen Fehler gemacht, den ich gleich beschreibe. 

Was ist das Problem? Es geht um die Bestimmung des Kalkulationszinses bei der Aufgabe 1 (Discounted Cash-Flow).

Schätzungsweise 99% der Klausurteilnehmerinnen und Klausurteilnehmer haben den gleichen "Quatsch" gerechnet, indem zu den 10% Opportunitätskosten durch den ggf. notwendigen Verkauf der Wertpapiere noch die Inflationsrate (meist 2%) addiert hatten, so dass der WACC als Kalkulationszins angeblich 12% betrug.

Wie wäre es richtig? Und das sollten Sie sich für die kommenden Semester und darüber hinaus merken:

  1. Wenn mehrere mögliche Kalkulationszinssätze denkbar sind, dann wählen Sie den höchsten Zinssatz, hier also in unserer Aufgabe die 10%, weil Sie durch den Verkauf der Wertpapiere diese 10% verlieren würden. Sie verlieren nicht zusätzlich die 2%. Warum verlieren Sie nicht zusätzlich die 2%? Das Geld, das Sie durch den Verkauf der Wertpapiere erlösen, "wandert" direkt ohne weiteren Wertverlust "in das gekaufte Unternehmen rein" und erzielt durch diese Investition hoffentlich dort eine Rendite, die über 10% liegt (ansonsten würden Sie das Unternehmen auch nicht kaufen - so weit hatten wir nicht gerechnet, das lernen Sie hoffentlich im 3. Semester). Auf jeden Fall unterliegt der erlöste Betrag aus dem Wertpapierverkauf nicht der Inflation, wenn er für den Kauf des Unternehmens verwendet wird, weil er ja unmittelbar reinvestiert wird.
  2. Würde Ihr Geld, das Sie zum Kauf verwenden möchten, bisher "komplett" auf dem Girokonto (ohne Guthabenzins) "liegen", dann wären die 2% richtig.
  3. Wenn Sie für den Kauf  z.B. 60% Eigenkapital (durch den Verkauf von Wertpapieren, die sich mit voraussichtlich 10% verzinsen) und 40% "Geld" vom unverzinsten Girokonto (also einer Inflationsrate von 2%) einsetzen würden, dann würde Ihr Kalkulationszins entsprechend gewichtet werden: 
    Kalkulationszins = 60% Anteil * 10% Verzinsung + 40% Anteil * 2% Inflationsrate = 6,8%.
  4. Wenn Sie für den Kauf  60% Eigenkapital (durch den Verkauf von Wertpapieren, die sich mit 10% verzinsen) und für den Rest einen Kredit mit 5% Kreditzinsen aufnehmen würden, dann würde Ihr Kalkulationszins entsprechend gewichtet werden: 
    Kalkulationszins = 60% Anteil * 10% Verzinsung + 40% Anteil * 5% Kreditzins = 8%.

Dieses Prinzip, den Mischzinssatz (WACC)  zu bestimmen, ist jetzt hoffentlich klar geworden.

Viele Grüße und alles Gute, Ihr

Ulrich Bodmer